Grüezi vom Chrüzacher
- Autor: Jasmin Kunst
- Fotos: Valentin Luthiger Fotografie
Nicht nur Städte, auch das Umland wächst und verdichtet sich. Hünenberg hat mit der Überbauung Chrüzacher von G&A Architekten einen weiteren Baustein erhalten, der sich ins Dorf einfügt und trotzdem selbstbewusst für sich steht.

Hünenberg liegt eingebettet zwischen Reusstal und dem Zugersee, inmitten grüner voralpiner Landschaft. Hier genießt man die Nähe zur Stadt: die größte Stadt der Schweiz, Zürich, und der malerische Tourismusmagnet Luzern liegen beide maximal 30 Autominuten entfernt. Gleichzeitig lebt man die Sehnsucht nach dem Land: Weitsicht auf die Alpen, Schwimmen im See und trotzdem angebunden sein ist alles hier möglich. Doch neben der Landschaft gibt es noch andere Gründe für die Anziehungskraft der Gemeinde mit gut 8000 Einwohner:innen, denn so niedrig wie hier im Kanton Zug sind die Steuern sonst nirgends in der Schweiz. Entsprechend sind Eigentumswohnungen hier beliebt. Niedrige Bautätigkeit und fehlende Baulandreserven führen zu hohen Preisen und kaum Leerstand.
Aus dem Terrain gewachsen
Eine der letzten Baulandreserven im Ort war der „Chrüzacher“ – Kreuzacker auf Hochdeutsch – eine ehemals grüne Wiese inmitten des Siedlungsgefüges. Wer hier lebt, hat es gut. Die Siedlung von G&A Architekten hat eine klare Grundidee: Drei Baukörper – zwei „I“s im Norden und ein „L“ im Süden – wachsen aus dem ansteigenden Terrain und gruppieren sich um einen mittigen Park. Sie bilden gegen außen hin eine zusammengehörende Einheit, fügen sich aber gleichzeitig in die lockere Bebauungsstruktur aus vielen freistehenden Mehr- und Einfamilienhäusern ein. Alle Häuser sind von einer charakteristischen Zweiseitigkeit geprägt. Die beiden Längsgebäude bilden gegen Norden, zur Straße hin, einen eher geschlossenen Rücken, und öffnen sich zum Hof im Süden. Das L-förmige Haus zeigt sich zum Hof mit einer rhythmischen Lochfassade, und öffnet sich nach Süden mit großzügigen Fensterfronten und einer durchlaufenden Balkonschicht.
Wechselseitige, leicht zurückversetzte Mauerstücken in den Fensteröffnungen ergeben, trotz des klaren Rhythmus, ein bewegtes Bild.

Die gemauerten Lochfassaden sind durch ein Fensterraster aus hochformatigen Öffnungen gegliedert. Wechselseitige, leicht zurückversetzte Mauerstücken in den Fensteröffnungen ergeben, trotz des klaren Rhythmus, ein bewegtes Bild. Der Mauerverband in den Nischen erzeugt ein Relief und verleiht der Fassade Tiefe. Das regelmäßige Raster löst sich zur Gebäudemitte hin in große Schaufenster auf. Gegen Süden zeigen sich die Häuser offen. Eine Welt aus Glas, raumhohen, beweglichen Fassadenelementen und Metallbrüstungen lässt auch hier ein bewegtes Bild entstehen. Je nach Wetter und Wunsch nach Privatheit zeigen die Häuser ein anderes Gesicht. Weiße Bänder vor den Balkonplatten gliedern die Fassade hier klar horizontal. Der Klinker zeigt sich auch auf dieser Seite. Er rahmt das Haus seitlich und schließt es nach oben ab.

Skulptural
Volumetrisch ordnen sich die Gebäudeköper in den bestehenden Geländeverlauf ein, sie wachsen skulptural aus dem ansteigenden Hang. Die mineralische, gemauerte Fassade aus dem hellgrauen Röben Klinker DOVER strahlt Dauerhaftigkeit aus und unterstreicht die Verankerung am Ort. Alle Volumen sind leicht abgeknickt. So wird die Länge der Baukörper und der Maßstab der Gebäude geschickt gebrochen und ermöglicht gleichzeitig in jeder Wohnung eine optimale Ausrichtung. Die Attikageschosse sind von der Hauptfassade zurückgestaffelt und bieten den Dachwohnungen große, begrünte Terrassen. Der mittige Grünraum mit Bäumen und Spielwiese ist durchzogen von einem Wegenetz, dass die Häuser untereinander und mit dem umliegenden Fußgängerwegenetz verbindet. Die Wege folgen dem natürlichen Terrainverlauf und ziehen sich auch durch die Häuser. Alle Eingangshallen sind sowohl vom Park als auch von der Straßenseite erschlossen. Über natürlich belichtete Treppenhäuser gelangt man in die oberen Stockwerke der vier- bis fünfgeschossigen Häuser. 35 Eigentumswohnungen wurden hier realisiert in einer Spanne von 1,5 bis 5,5-Zimmern. Während Wohnküchen und Schlafzimmer eher im Norden angeordnet sind, erhalten die durchgehenden Wohnräume jeweils von zwei Seiten Licht und gewähren über die großzügigen Fenster weite Sicht. Diese Aussicht ist hier alles.
Reportage 3
Architekten
G&A Architekten
Die G&A Architekten AG ist seit über 40 Jahren in der Schweiz tätig. Getragen durch ein junges und vielfältiges Team von rund 30 Personen, bietet das Büro zukunftsorientierte Architektur, die Werte für ihre Nutzer und die Gesellschaft erschafft. Das Büro ist sowohl im Entwurf als in der Ausführung tätig. Zu ihren bekanntesten Bauten gehören das Hotel The Chedi Andermatt, das Radisson Blu Hotel Reussen und in jüngerer Zeit auch die Landi Zugerland in Baar.