EDITORIAL

Wohnbaukultur

Wir identifizieren uns und lernen einander kennen über das Wohnen. Aber auch umgekehrt: Wohnbauten können uns voneinander trennen und entfremden. Während die Architektur immer mehr auf die gegebenen öffentlichen oder privaten Prioritäten zur Qualität und Bezahlbarkeit des Wohnens reagieren muss, definiert sie aktiv den urbanen Raum und die städtebauliche Quartiersbildung. Bei der Schaffung von städtischem Wohnraum dürfen die Räume zwischen den Häusern nicht vergessen werden. Städte sind gemeinsam genutzte Räume, und Wohnhäuser, ihre Platzierungen, Fassaden und Freiräume – die Schnittstelle von Architektur und öffentlichem Raum – bilden Grundlagen für Nachbarschaften. Indem der Wohnungsbau Zugehörigkeit und Gemeinsinn unterstützt, kann er einen Beitrag zur integrativen Gesellschaft leisten.

Wohnungsbau ist Städtebau, schreibt Christa Reicher in ihrem Essay und wünscht sich eine Verbindung von sozialen und ökologischen Wohnungsfragen. Ein Modell zur Inklusion zeigt Collectief Noord mit dem sozialen Wohnungsbau in Antwerpen-Luchtbal. Das Ensemble öffnet sich zur Stadt und verwebt das Wohnen mit dem städtischen Umfeld. Während sich die Hafenpassage von Hilmes Lamprecht Architekten in die 15-Minuten-Bremer-Überseestadt einfügt, erweitert der Chrüzacher in Hünenberg von G&A Architekten das Wohnungsangebot im ländlichen Raum.

Was machen Ziegel für das Wohnen aus? Welche Bedeutung hat die Materialität der Häuser für die Stadt? Wie der Wohnungsbau in Antwerpen zeigt, geben Backsteine vielfältige Möglichkeiten gestalterisch mit der Wahrnehmung der Gebäude und des Maßstabs zu spielen. Mit seiner handwerklichen Haptik und harmonisch-warmen Ausstrahlung kann Ziegel dem öffentlichen Raum gerecht werden. Fassaden haben einen städtebaulichen Auftrag, sie können dafür sorgen, dass Häuser und Stadtraum zusammen sprechen.

Boris Schade-Bünsow, Marie Bruun Yde

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